Harald Hauswald / Lutz Rathenow
Ost-Berlin
Leben vor dem Mauerfall

Linie

...Das Buch »Ost-Berlin« war mehr als ein Buch. Es war unsere Art der Liebeserklärung an eine Stadt, die wir zugleich als Hälfte einer geteilten Stadt und doch auch als ein neues Ganzes wahrnahmen. Wir liebten Ost-Berlin und lehnten die Regierung ab, die es als Hauptstadt eines 1949 neu gegründeten Staates ansah. Insofern sind Text und Fotos gleichzeitig Beleg einer lustvoll gelebten Ost-Identität und Ausdruck oppositionellen Verhaltens gegen den Staat. Das beginnt beim Titel: Ost-Berlin wurde nur im Westen Deutschlands so genannt; eigentlich musste es nach dem Willen der DDR »Berlin -Hauptstadt der DDR« heißen.

Manche Elemente der Berliner Vorkriegsmentalität hielten sich im Osten der Stadt stärker und lebten hinter den politischen Fassaden weiter: Kinder, Außenseiter, merkwürdige Leute bevölkern diesen Band ebenso wie Polizisten und Geheimpolizisten. Die Parallelen in Fotos und Text können über eine Differenz nicht hinwegtäuschen - die Mauer zwischen beiden Stadthälften kommt (fast) nur im Text vor, da man sie von östlicher Seite nicht fotografieren durfte....

Lutz Rathenow